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Gastbeitrag: Schreiben! Aber wo anfangen?

Wer hatte auch schon mal dieses Gefühl? Man verliert sich in der wunderbaren Welt der Bücher, liest fantastische Geschichten und ist überwältigt von den Gefühlen, die sie in einem auslösen. Und dann keimt ein Gedanke auf: „Ich will auch ein Buch schreiben.“

Ihr hattet bestimmt schon mal die ein oder andere Idee, habt euch Notizen gemacht oder vielleicht sogar ein paar Seiten geschrieben. Aber dann schaut ihr auf die Bücher in euren Regalen mit 200-700 Seiten voller Wörter und verzweifelt an der Herkules-Aufgabe, die ich euch selbst auferlegt habt. Gerade dann müsst ihr aber immer dran denken: Jedes dieser Bücher fing an mit einer Idee und einer einzigen Seite.

Zunächst müsst ihr euch klar sein, was für eine Art Schreiberling ihr seid. Ein Planer, wie der Name schon sagt, plant (plottet) seine Geschichte von Anfang bis Ende durch und baut sich damit ein Gerüst, um das er nur noch herum bauen muss. Ein sogenannter Discovery Writer hat ein leeres Dokument vor sich und schreibt einfach drauf los. Eine Mischung aus beidem baut sich einige grobe Stützpfeiler aus Notizen und der Rest entsteht aus dem Nichts. Es gibt viele Schreibratgeber, aber sich blind an einen halten wird nichts nützen, wenn er nicht eurem Stil entspricht.

Dann gilt es, eine Routine aufzubauen. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Ich habe mal von einem Autor gelesen, der jeden Tag sechs Seiten geschrieben hat, komme was da wolle. Aber wie macht man das, wenn man das Schreiben, seinen Brotjob, Haushalt, Freunde und Familie unter einen Hut bringen will? Sechs Seiten sind für den Anfang eine ganze Menge, deswegen sollte man auch hier klein anfangen. Aus drei Tagen die Woche mit einer halben Seite wird schnell eine Seite pro Tag und so weiter. Ein festes und realistisches Wörterziel bis zu einem gewissen Zeitpunkt kann auch wahre Wunder wirken. Wichtig ist, dass man sich eine feste Zeit aussucht, in der man sich nur dem Schreiben widmet. Im besten Fall in einem stillen Raum ohne Ablenkungen. Schon bald habt ihr eine Routine und das Schreiben ist so alltäglich wie das Mittagessen.

All das kann einen jedoch nicht vor dem größten Feind eines jeden Schreibers schützen: Selbstzweifel. Kann das, was ich schreibe, überhaupt so gut sein, wie das, was andere machen? Diese Leute haben so viele Bücher veröffentlicht und ich bin nur irgendwer, oder?

Und wenn sich diese Gedanken weiter steigern nennt man das „Imposter Syndrom“. Zu glauben, man kann sich selbst nicht „AutorIn“ nennen, denn alle anderen sind die Echten und man selbst ist bloß ein Betrüger, ein Imposter. Aber das ist Schwachsinn. Wen ihr etwas schreibt, seid ihr AutorInnen. Sei es Poesie, Kurzgeschichten, oder ein Roman. Das Veröffentlichen ist bloß der nächste Schritt. Natürlich gibt es auch AutorInnen die nur für sich selbst schreiben und gar nichts veröffentlichen wollen.

Wichtig ist, dass man sich klar macht, dass das Geschriebene nicht sofort perfekt sein muss. Ihr könnt euch darauf einstellen, dass ihr noch viel verbessern, löschen und hinzufügen werdet, bevor ihr wirklich fertig seid. Euren sogenannten „First Draft“ aber zu Papier gebracht zu haben ist eine große Leistung und von da an ist es nicht mehr weit, bis zu einem fertigen Roman und eurer ersten Veröffentlichung. Schon das erste Wort auf einem leeren Manuskript ist ein großer Schritt in Richtung des unbeschreiblichen Gefühls, euer eigenes Buch in Händen zu halten.

Über den Autor: Eli Quinn, geboren am 04.06.1992, begeisterte sich schon früh für erzählte wie niedergeschriebene Geschichten und träumte davon, eines Tages selbst die Massen zu begeistern. Er verfasste bereits kleinere Texte in den Genres Phantastik und Science Fiction, die noch auf ihre Chance warten, veröffentlicht zu werden. Mit seiner Kurzgeschichte „Weltenkeller“ in der Anthologie „Maschinen“ herausgegeben von Martin Witzgall und Felix Woitkowski hatte er sein Autorendebüt.
Mehr zum Autor findet Ihr hier.

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Gastbeitrag: Kunstwürdigung in der Literatur

Kultur ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Menschen, die keinerlei künstlerische, musikalische oder literarische Vorlieben haben und die nie von diesen beeinflusst wurden, sind schwer vorstellbar, und wenn doch, dann nur mit einem bitteren Beigeschmack. Das bedeutet, dass jede*r Kunstschaffende die eigenen Werke auf einem Unterbau fremder Werke errichtet. Viel zu selten wird diese Gegebenheit in Literatur eingearbeitet. Dabei gibt es viele Argumente dafür.

Charakterisierung

Die Charakterisierung von Figuren kann beispielsweise vertieft werden, wenn man ihnen Kunstwerke beigibt: einen Lieblingssong, ein Lieblingsbuch oder einige Bilder, die sie in ihrer Wohnung aufgehängt haben. So könnte man einen Charakter untermauern. Eine Professorin, die klassische Musik hört, wirkt zunächst nicht viel anders als die gleiche Professorin, deren Musikgeschmack unerwähnt bleibt, es sei denn, sie ist wirklich begeistert davon. Gibt man ihr Goethe zu lesen, wirkt sie altmodischer und konservativer, als wenn sie Brecht liest. Legt man ihr Fifty Shades of Grey auf den Nachttisch, wird es interessant. Es entsteht ein gewisser Widerspruch. Ein Klischee wird gebrochen und die Leserschaft könnte sie sympathischer finden. Größere Widersprüche innerhalb der beigegebenen Kunstwerke könnten als Anzeichen für die Unentschlossenheit einer Figur genutzt werden. Hört jemand erst Mozart, dann Die Ärzte, springt zu Black Metal und danach zu Happy Hardcore, ist er offenbar nicht in der Stimmung für eine bestimmte Musikrichtung, sondern entweder für alle auf einmal oder für gar keine. Innerhalb eines passenden Kontexts verstärkt also die Musikauswahl, wie deutlich der Leserschaft das Innenleben der Figur bewusst wird, und das ohne es beispielsweise durch eine Innensicht direkt zu benennen. Auf der Meta-Ebene könnte man außerdem Parallelen suchen zwischen Werken, die rund um die Figur auftauchen, und der Figur selbst. Dies könnten Charaktereigenschaften der Schöpfer*innen der beigegebenen Werke oder ihrer Figuren sein, Wohnorte oder Verhaltensweisen. Dadurch kann die Geschichte an Tiefe gewinnen, weil eine Interpretationsebene hinzukommt.

Doch nicht nur Figuren kann man durch die Verbauung von Kunstwerken charakterisieren, sondern auch sich selbst. Zieht man Parallelen zwischen sich und literarischen Vorläufern? Möchte man sich auf diese Weise ins eigene Werk einschleichen? In dem Fall werden vermutlich Dinge gewählt, die der/dem Schreibenden gefallen. Das führt direkt zum Punkt der Förderung anderer. Kunst, die man liebt, möchte man mit der Welt teilen. Eine Verarbeitung in einer Geschichte wäre eine passende Würdigung und eine unaufdringliche Werbung. Warum sollte man nur klassische und bekannte Werke wählen? Legt den Figuren Selfpublisherbücher in die Hand! Nachteil davon wäre allerdings, dass die Figurencharakterisierung durch den geringeren Bekanntheitsgrad schlechter unterstützt würde. Eine Kombination vielleicht? Die Figur geht ihr Bücherregal ab, liest mehrere Titel (unter anderem von unbekannten Autor*innen) und entscheidet sich dann für ein bekanntes Buch, das den Charakter unterstreicht.

Wer gerne experimentell schreibt, könnte eigene Werke auftauchen lassen, um einen Ideenkreis zu schließen oder Selbstironie einzubauen. Eure Figuren müssen eure bisherigen Bücher nicht mögen. Fans oder Literaturkritiker*innen könnte man damit ein Lachen aufzwingen.

Foreshadowing

Ein weiterer Nutzen der Erwähnung fremder Kunstwerke könnte das sogenannte Foreshadowing sein. Man deutet unauffällig das Ende der Geschichte an und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Verbindung noch nicht hergestellt werden kann. Vielleicht läuft anfangs ein Song von Joy Division und am Ende erhängt sich eine Figur. (Anmerkung: Ian Curtis, Sänger von Joy Division, hat sich mit 23 erhängt.) Dieses Beispiel zeigt eine sehr vage Verbindung, aber man kann es nach Belieben deutlicher gestalten. Wird das Foreshadowing richtig angewendet, entsteht ein Gefühl von Schicksalhaftigkeit und im besten Fall ein Aha-Effekt im Nachhinein. Wieder gewönne die Geschichte an Tiefe.

Bildungsauftrag

Es gibt noch einen ganz anderen Grund, um Kunst zu verbauen. Über den kann man allerdings streiten. Haben Kunstschaffende einen Bildungsauftrag gegenüber dem Publikum? Sieht man es so, kann man der Leserschaft Bildung einflößen, ohne dass sie es merkt. Hier muss man gut aufpassen, dass der Plot nicht gestört wird und die Geschichte nicht zu einem langweiligen Vortrag verkommt. Daher gehe ich lieber direkt weiter.

Atmosphäre

Malerei eignet sich besonders gut, um einem Raum Atmosphäre zu geben. Die Beschreibung eines dunklen Porträts in einem alten Schloss unterstützt eine gruselige Stimmung, sofern sie gelungen ist. Sollte es für die Geschichte nicht notwendig sein, dass eine bestimmte Figur (beispielsweise der Graf, der das Schloss bewohnt, oder ein Vorfahr) dargestellt wird, stünde doch nichts im Wege, ein bestehendes Bild zu verwenden. Auch hier gelten die gleichen Argumente wie oben.

Was ist zu beachten?

Es gibt aber auch einiges zu beachten, wenn man existierende Bilder, Musik oder Bücher ins eigene Werk einbauen möchte. Man sollte aufpassen, dass man nicht zu dick aufträgt. Wissen kann nicht vorausgesetzt werden. Eine Charakterisierung sollte beispielsweise nicht zentral auf einem Gesang aus Dantes Comedia fußen und Bilder sollten auch beschrieben werden, wenn man meint, jede*r kenne es. Plustert man sich auf und gibt mit der eigenen Bildung an, verliert man ganz schnell das Interesse des Publikums. Daher: erwähnen und einbauen, aber nicht zur notwendigen Voraussetzung der Story machen!

Ganz wichtig an dieser Stelle ist der Hinweis auf die Urheberrechte. Bilder zu beschreiben und Namen zu nennen, stellt kein Problem dar. Ohne Erlaubnis Literatur oder Songtexte zu zitieren, führt aber schnell zu Schwierigkeiten. Niemand möchte von einem Weltkonzern oder Autorenkolleg*innen verklagt werden. Das Recht, Textstellen zu verwenden, kann bei Verlagen angefragt und erworben werden. Nicht überall geht das, aber einige Verlage sind zuvorkommend. Musikrechte sind allerdings ein ganz anderes Thema und sehr viel komplexer, da die Rechte für einen Song häufig bei mehreren Einzelpersonen und auch noch mehreren Firmen liegen. Insgesamt würde ich auf direkte Zitate verzichten, weil es einerseits sicherer und andererseits meist stilvoller ist.

Manche Genres verbieten die Erwähnung existierender Kunstwerke, da sie in einer anderen Realität angesiedelt sind. Ein Fantasy-Roman, für den eine komplett eigene Welt erfunden wurde, kann ein Justin Bieber Poster im Zimmer der Prinzessin nicht vertragen. In anderen Genres sollte man ebenfalls vorsichtig sein: in Kinder- oder Jugendliteratur könnten die erwähnten Elemente überfordern oder einfach langweilen und stören.

Filme wurden bisher noch gar nicht erwähnt, aber diese aufzunehmen funktioniert natürlich nach den gleichen Prinzipien wie bei allen anderen Kunstwerken. Auch das Thema der versteckten Hommage sollte wenigstens angeschnitten werden. Umberto Eco nannte den blinden Bibliothekar in Il nome della rosa Jorge als Hommage an den Schriftsteller Jorge Luis Borges, der am Ende seines Lebens erblindete und dennoch die argentinische Nationalbibliothek leitete. Auch beschäftigte sich Borges in seinem Werk viel mit Labyrinthen, was zum labyrinthischen Aufbau der Klosterbibliothek in Ecos Buch passt. Die Bezüge und Einarbeitungen gehen noch sehr viel weiter, aber als Beispiel sollte das reichen. Man muss Elemente und Ebenen geschickt verweben können, um Derartiges zu schaffen. Einer durchschnittlichen Leserschaft, die sich für die Unterhaltung beim Lesen und nicht für tiefergehende Interpretation interessiert, sind solche Details kein Gewinn (aber auch kein Verlust). Sie zeigen jedoch die Tiefe der Geschichte, die enorme Arbeit, die in die Entstehung gesteckt wurde, und was man alles finden kann, wenn man sich die Zeit nimmt, um über Kunst nachzudenken.

Welche Kunstform und welche Kunstwerke letztendlich am besten in eine Geschichte passen, muss jede*r Autor*in selbst entscheiden. Bilder eignen sich gut, da sie relativ leicht beschrieben werden können, während dies bei Musik mehr Geschick erfordert. Vermutlich kann man die Lesenden am besten abholen, wo sie sich bereits befinden: in der Literatur. Wenn man eines über Leser*innen weiß, dann ist es, dass sie lesen. Bezüge zu anderen Werken der Literatur erscheinen als die offensichtlichste Wahl, aber die Künste sind vielfältig und die Auswahl ist endlos.

Über den Autor: Matthias Thurau ist Autor („Sorck: Ein Reiseroman“, „Alte Milch: Gedichte“), Blogger (papierkrieg.blog) und Mitglied der Autorengruppe Nikas Erben.

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Gastbeitrag: Positives Schreiben – Gezielt die Stimmung manipulieren

Was ist positives Schreiben?

Positives Schreiben – das klingt nicht nach etwas, das für düstere Werke gedacht ist. So etwas brauchen wohl eher die Schöpfer*innen fluffiger Romanzen oder leichter Komödien.
Richtig?
Falsch.
Positives Schreiben meint nicht, den Inhalt positiv zu gestalten, sondern genau die Stimmung zu Papier zu bringen, die man erzielen möchte – indem man auf Verneinungen verzichtet.
Natürlich ist es unmöglich, völlig ohne Verneinungen auszukommen. Aber es ist möglich, sie gezielt zu reduzieren. Und, mit etwas Übung, sogar, sie gezielt einzusetzen, um das Lesegefühl zu manipulieren.

Woher kommt positives Schreiben?

Der Ansatz kommt eigentlich aus der Medizin. Speziell Menschen, die sich mit Angststörungen oder Panikattacken auseinandersetzen müssen, haben eventuell schon davon gehört. Der simple Hintergrund:
Unser Angstzentrum ist unfähig, Verneinungen zu verarbeiten.
Das grobe Konstrukt ist recht simpel: Jede Information unserer Umwelt, wird von unserem körpereigenen Angstzentrum, der Amygdala, geprüft. Alles, was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken, wird auf Bedrohungen untersucht. Dieser Vorgang sichert unser Überleben, denn so ist es möglich, ohne Verzögerung auf jede Bedrohung zu reagieren.
Damit das schnell genug vonstattengeht, fallen dabei allerdings einige Details unter den Tisch. Unter anderem Verneinungen. Worte wie „nicht“ oder „kein“ rutschen im Angstzentrum zwecks schnellerer Verarbeitung durchs Raster.
Das ist der Grund, warum man jemandem mit einer Panikattacke niemals sagen sollte, dass „nichts passiert“ oder die Situation „nicht gefährlich“ sei. Sagt ihm*ihr lieber es ist „alles in Ordnung“ oder er*sie ist „sicher“.
Dasselbe gilt für eure Leser*innen.

Ein Beispiel für positives Schreiben

Lasst uns einmal ausprobieren, wie sich diese Theorie in der Praxis auswirkt. Betrachten wir diese kurze Szene:
Shirin kniete sich neben Kim auf den Boden. „Es ist nichts passiert“, flüsterte sie. „Keine Sorge, wir sind nicht mehr in Gefahr.“

Und jetzt dieselbe Mini-Szene noch einmal ohne Verneinungen:
Shirin kniete sich neben Kim auf den Boden. „Es ist alles in Ordnung“, flüsterte sie. „Beruhige dich, wir sind sicher.“

Rein inhaltlich ist es zweimal dieselbe Situation. Aber wirkt sie auch gleich?

Mit einem so kurzen Ausschnitt ist der Effekt relativ gering, aber auch hier wird schon klar: Im ersten Fall spürt man beim Lesen eine gewisse Beklemmung, während man beim zweiten eher Erleichterung wahrnimmt. Das hängt mit der Verarbeitung im Angstzentrum zusammen.
In der ersten Fassung verarbeitet unser Unterbewusstsein aus Shirins Redebeitrag in erster Linie die Worte „passiert“, „Sorge“ und „Gefahr“. Diese Begriffe verbinden wir automatisch mit einer potenziellen Bedrohung. Unser Unterbewusstsein begibt sich in Alarmbereitschaft.
In der zweiten Fassung verarbeiten wir „in Ordnung“, „Beruhige dich“ und „sicher“. Diese Begriffe verbindet unser Unterbewusstsein mit Sicherheit und signalisiert dementsprechend Entspannung.

Einsatz von positivem Schreiben im Text

Was kann ich nun damit anfangen?
In erster Linie ist diese Erkenntnis sehr wertvoll, wenn es um das bewusste Erzielen einer bestimmten Wirkung geht. Es verdichtet die Atmosphäre, wenn man gezielt Verneinungen vermeidet und direkt Worte benutzt, welche die Stimmung stützen.
Wichtig hierzu: Die berühmt-berüchtigten Wortfelder, mit denen meine Grundschullehrerin uns regelmäßig bombardiert hat (schon damals zu meiner großen Freude). Als Hilfestellung kann man sich hier Wortfelder zur jeweiligen Stimmung erstellen und darin Adjektive, Substantive und Verben sammeln, die zur Atmosphäre beitragen.
Umgekehrt kann man natürlich auch gemein sein und den Leser gezielt manipulieren.
Wenn wir uns an die kleinen Beispiele erinnern: Die erste Variante mit Verneinungen ist keineswegs um jeden Preis zu vermeiden – im Gegenteil. In einer scheinbar entspannten Situation kann man als Autor*in das Alarmsystem der Leser*innen am Laufen halten. Man hält die Anspannung aufrecht, obwohl die Leser*innen glauben, die Situation habe sich entspannt. Schließlich steht da doch, dass nichts passiert ist, nicht wahr?

Fazit

Halten wir also fest: Unser Angstzentrum hat viel zu tun und arbeitet deshalb nur mit einem groben Raster. Dieses Raster können wir als Autor*innen für uns nutzen. Wichtig hierbei sind Verneinungen wie „nicht“ oder „kein“. Sie fallen durch das Raster und bleiben unverarbeitet.
Entsprechend der verarbeiteten Information reagiert das Unterbewusstsein – auch beim Lesen. Egal, was das Bewusstsein wahrnimmt, die Feinheiten der Stimmung kommen aus dem Unterbewusstsein.
Ich selbst achte seit einiger Zeit gezielt auf verneinungsfreie Formulierungen und ich kann zwei Dinge darüber sagen:
Erstens trägt es tatsächlich zur Stimmung der Geschichte bei. Man kann seine Leser*innen damit gezielt beeinflussen und eine unterschwellige Stimmung unter dem Offensichtlichen erschaffen.

Und zweitens: Es braucht irre viel Übung.
Verneinungen sind einfach und wir machen es uns, auch beim Schreiben, gerne leicht. Es ist eine Frage ständigen Trainings, „nicht“ und „kein“ nach und nach aus dem reflexartigen Vokabular zu streichen und bewusst einzusetzen.

Aber ich stelle auch fest: Selbst wenn es einige Zeit braucht, positives Schreiben lohnt sich. Ich habe das positive Formulieren ursprünglich für meinen Alltag gelernt und es hat mich sehr weit gebracht. Aber auch beim Schreiben macht es einen spürbaren Unterschied.
In diesem Sinne: Ran an die Tasten! Manipuliert die Stimmung!

Viel Spaß!

Über die Autorin: Judith Greis gehört zu jenen Autorinnen, die seit ihrer Kindheit schreiben. Was mit ersten kleinen Lesungen im Stuhlkreis der Grundschule begann, führte bald zu ersten Romanideen und schließlich zur Welt der Fanfiktions, der sie bis heute treu geblieben ist.
Privat lebt die gelernte Bauzeichnerin direkt am Wald. Trotz hitziger Diskussionen mit den benachbarten Bewohnern der Wildnis ist bis heute ungeklärt, ob bei den Besuchen bei ihrem Freund in der Schweiz die Eichhörnchen oder die Gartenschläfer die Herrschaft über den Lieblingsschreibplatz auf dem Balkon übernehmen.
Mehr zu der Autorin findet Ihr hier.

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NaNoWriMo Survival Guide

Der Endspurt auf den NaNo hat begonnen und seit Tagen schwanke ich zwischen Vorfreude und Verzweiflung. 50.000 Wörter innerhalb eines Monats zu schreiben, ist nicht wenig, selbst wenn man das schon mehrmals gemacht hat.
In den vergangenen Jahren haben sich bei mir ein paar Tipps angesammelt, wie man den NaNo und jedes andere Schreibprojekt überlebt.

Take your time

Jedes Jahr gibt es ein paar Autoren, die die 50k schon innerhalb der ersten 24h schreiben. Es gibt Autoren, die insgesamt auf 5k kommen und das als persönlichen Erfolg ansehen. Und es gibt viele dazwischen.
Es ist wichtig, sich die Zeit zu geben, die man braucht. Es ist nicht schlimm, wenn man langsamer schreibt als andere. Jeder braucht unterschiedlich lang. Je öfter man jedoch schreibt, desto schneller wird das Schreiben an sich.
In meinem ersten Jahr war ich froh, wenn ich 1.000 Wörter in einer Stunde geschafft habe. Letztes Jahr habe ich meistens 2.000 Wörter oder mehr geschafft. Vieles ist Übung und es ist wichtig, sich nicht von anderen verunsichern oder demotivieren zu lassen.

Writing Buddys

Writing Buddys sind Schreibfreunde, die gleichzeitig mit einem Schreiben. Mich motiviert und spornt es an zu sehen, dass jemand schon mehr geschrieben hat, als ich. Dann ist mein Ehrgeiz geweckt, die Person einzuholen.
Am besten sind Writing Buddys, die eine ähnliche Schnelligkeit wie man selbst hat. Dann wird der Unterschied nicht zu groß, dass es demotiviert, sondern bleibt klein, sodass man ihn vielleicht in der nächsten Stunde ein- oder überholen kann.
Außerdem kann man sich mit Writing Buddys übers Schreiben austauschen und seine Fragen klären. Es hilft oftmals schon zu wissen, dass man gerade nicht alleine ist und dass andere ähnliche Situationen durchmachen.

Kleine Schritte – einer nach dem anderen

Die Zahl 50.000 war für mich am Anfang ein riesiger Demotivator. Vor meinem ersten NaNo war mein Rekord 5.000 Wörter innerhalb eines Monats und bei einem anderen Projekt zählte ich fast 40.000 Wörtern nach über 2 Jahren.
Es hat geholfen, kleine Schritte zu machen. Jeden Tag 1.667 Wörter waren am Ende gar nicht so viel und es gab etliche Tage, an denen ich mehr geschrieben habe. Schafft man sich mehrere Schreib Sessions am Tag, sind es nur noch ein bisschen mehr als 400 Wörter pro Session.
Außerhalb des NaNos sind meine Schritte die Kapitel. Ein Kapitel schreiben ist gar nicht schwer und viel. Ich habe bemerkt, dass wenn ich mir kleine Ziele setze, ich motivierter bin und am Ende mehr schaffe, als wenn ich mir große Ziele setze.

Ablenkungen minimieren

Eine der größten Probleme beim Schreiben sind die Ablenkungen. Sobald ein kleines Problem in einer Szene auftritt, gewinnt die Ablenkung Überhand und ich kann nicht weiterschreiben. Mein erster NaNo lief unter anderen so gut, weil ich damals kein Wlan in meiner Wohnung hatte. Ablenkung Internet war also fast gar nicht vorhanden und weil ich gerade erst eingezogen war, war mein Schreibtisch noch komplett leer.
Mittlerweile habe ich Wlan und Ablenkung in großer Zahl um mich herum, aber man kann trotzdem ein paar minimieren.
Handy und Laptop auf Flugmodus, Schreibtisch und Zimmer vorher aufräumen und Termine nicht in den November legen, sind nur ein paar Dinge, die ich immer versuche zu machen. Jeder hat da seine eigenen Tipps und einen Ablenkungsgrad, bis wohin er arbeiten kann. Das heißt, es gibt keine Patentlösung, sondern man muss sich ein wenig ausprobieren.

Pausen

Pausen sind wichtig. Viele unterschätzen die Anstrengungen, mit denen Schreiben verbunden sind. Schreiben ist geistige Arbeit und kann sehr aufwühlend sein. Zwischen den Schreib Sessions sind Pausen daher wichtig. Ein bisschen frische Luft atmen, die Augen mal auf etwas anderes konzentrieren lassen als den Bildschirm und ein paar Dinge machen, die nicht geistig anstrengen sind. Dann kann man wieder motiviert und erfrischt weiter machen.
Es kann auch helfen, die Pausen vorher zu definieren. Ein „Ich mache nur kurz Pause“ kann sonst zu Stunden werden. Mit einer definierten Zeit und einem eingestellten Wecker kann das leichter fallen.

Schlafen

Der Punkt klingt simple, ist aber wichtig. In keinem Monat im Jahr schlafe ich so wenig wie im November. Da meine präferierte Schreibzeit nachts ist, kommt der Schlaf oft zu kurz. Ich muss mich manchmal regelrecht dazu zwingen, noch schlafen zu gehen. Ich liebe es, Nächte durchzuschreiben, aber auf Dauer ist das nicht gut. Aber ausgeschlafen sein ist für den Körper besser und tut auch dem Schreiben gut.

Vorbereitung – Writing Prompts

Für mich ist eine ausreichende und gute Vorbereitung wichtig. Das heißt nicht, dass ich jedes Detail schon vorher weiß, aber ich kenne meine Charaktere, die Welt und den Plot. Manche brauchen es weniger, manche mehr.
Egal, wie detailliert du es brauchst oder eben nicht, gibt es einen Tipp, der jedem helfen kann: Writing Prompts. Das sind kurze Sätze, in denen Handlungen oder Situationen beschrieben werden. Ich habe auf meinem Schreibtisch immer ein Glas mit ganz vielen Zetteln mit Writing Prompts stehen. Wenn ich in einer Szene nicht mehr weiter komme, ziehe ich einen und versuche die Vorgabe in die nächste Szene einzubauen. Manchmal passt es, dann lass ich es dabei, manchmal stört es den Szenenverlauf nur, dann fliegt es wieder raus. Wichtig ist nur, dass man über den Punkt hinausschreibt, der einen blockiert, um weitermachen zu können.
Bekannte Writing Prompts sind z.B:
Beginne die nächste Szene mit den Worten: „Wenn ich dich kriege, dann…“
Baue in die nächste Szene einen Schrei ein.
Das Handy deines Haupcharakters klingelt. Wer ist dran und was will er?

Belohnungen

Ich finde es oft hilfreich, wenn ich mir Etappenziele setze und wenn ich sie erreiche, belohne ich mich. Dabei fallen die Belohnungen ganz unterschiedlich aus. Manchmal ist es nur eine Tasse Tee/Kaffee, manchmal die neue Folge einer Serie oder das Buch, das ich schon seit einiger Zeit haben will. Mittlerweile weiß ich, was mich motiviert und welche Ziele ich mir setzen muss, um effizienter arbeiten zu können. Da hilft nur ausprobieren.

Der wichtigste Rat zum Schluss: Schreiben ist ein Marathon und kein Sprint

Es hilft nicht, es an einen Tag zu übertreiben und dann tagelang nicht mehr reinzukommen. Es ist sinnvoller, sich Zeit zu lassen, es zu genießen und lieber kleine stetige Erfolge zu haben, als auf einmal riesige.
Mache ich einen Schreibtag, an dem ich 10.000 Wörter oder mehr schreibe, dann bin ich meistens die nächsten Tage immer noch ziemlich fertig und schreibe nicht. Ich brauche dann wieder eine ganze Weile, um wieder in das Projekt reinzukommen. Wenn ich es aber schaffe, mir jeden Tag ein paar Stunden zu nehmen, arbeite ich gleichmäßiger und effektiver.

Das sind meine Überlebenstipps. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig weiterhelfen 🙂

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Schreibtipp-Häppchen

Im Aktiv schreiben

Um eine Information aus einem Satz zu ziehen, der im Passiv geschrieben wurde, braucht das Gehirn länger, als bei einem Satz im Aktiv. Das verlangsamt das Lesen und stört oft den Lesefluss. Schreib also lieber „Die Tür öffnet sich“ statt „Die Tür wurde geöffnet“. Das führt außerdem dazu, dass der Leser sich das Öffnen der Tür bildlicher vorstellen kann.

Einprägsame Namen

Wenn du als Autor dich schon nicht an die Namen erinnern kannst, wieso sollte es dann ein Leser tun? Mische außerdem lange und kurze, normale und außergewöhnliche. Die Mischung und die Unterschiede machen die Geschichte interessanter. Versuche auch immer wieder andere Anfangsbuchstaben zu nutzen. Nicht, dass am Ende Anna, Amalie, Alex und Adrian zusammen Kaffee trinken gehen. Das funktioniert zwar in manchen Fällen, wird den Leser aber vermutlich eher verwirren.

Keine komplizierten Sätze

Das wird vor allem bei der Überarbeitung wichtig. Wenn du deine Geschichte nochmal liest und Sätze mehrfach lesen musst, um sie zu verstehen, solltest du sie rauswerfen oder umschreiben. Komplizierte Sätze verlangsamen den Lesefluss und nehmen auf Dauer die Lust am Weiterlesen. Versuch mit kurzen prägnanten Sätzen alles zu sagen, was du sagen willst. Vor allem, wenn viel passiert, sollten die Sätze kurzgehalten sein. Verliert sich jedoch der Protagonist in seinen Gedanken können die Sätze auch länger werden, solang sie immer noch leicht und beim ersten Mal lesen verständlich sind.

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