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Warum du unbedingt Rezensionen schreiben solltest

Bevor ich mein Buch veröffentlicht habe, hätte ich niemals gedacht, wie wichtig es ist, Rezensionen zu schreiben. Vorher habe ich mich immer irgendwie gedrückt und hatte nie die Motivation dafür. Doch seit ein paar Monaten bekomme ich zunehmend ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht meinen Senf zu den Büchern dazu gebe, die ich gelesen habe. Vielleicht liegt es daran, weil ich jetzt weiß, wie es sich anfühlt, Rezensionen zu bekommen. Wer weiß. Aber ich möchte dir ein paar Gründe nennen, warum du ab jetzt auch immer Rezensionen schreiben solltest 😉

Deine Meinung ist wichtig

Ich kann zwar nur aus meiner Erfahrung sprechen, doch ich denke, alle Autoren werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass uns jede ehrliche Lesermeinung wichtig ist. Wenn du Kritikpunkte oder Lob hast, ist eine Rezension eine der einfachsten Wege mit uns in Kontakt zu treten und es uns wissen zu lassen. Dein Lieblingscharakter, eine Stelle, die dich zu Tränen gerührt hat, etwas, das dir gar nicht gefallen hat? Lass es uns wissen.

Feedback

Als Autoren sind wir immer bemüht, besser zu werden. Schreiben und Planen ist ein Handwerk, das geübt werden muss und wir sind dankbar dafür, wenn uns gesagt wird, was noch nicht optimal läuft. Wir sind auch nur Menschen, die durch ehrliche Kritik sich verbessern können.

Leseempfehlung

Wenn dir ein Buch gefällt, ist die Rezension nicht nur eine gute Möglichkeit das dem Autor mitzuteilen, sondern auch anderen potenziellen Lesern. Als Leser greife ich eher zu Büchern, die generell besser bewertet wurden und als Autor wünsche ich mir gute Bewertungen, um mehr Leser gewinnen zu können.
Wenn du einen Instagram Account oder einen Blog hast und deine Leseempfehlung dort auch teilst, hilfst du außerdem dem Autor an Reichweite zu gewinnen.

Jeder Leser hat einen anderen Geschmack

Das ist auch gut so, doch deswegen ist es umso wichtiger, zu zeigen, wenn dir ein Buch gefällt. Eine schlechte Bewertung kann nur durch etliche gute ausgeglichen werden. Schlechte Bewertungen sind per se nicht schlecht, sondern können mit konstruktiver Kritik sehr hilfreich sein. Trotzdem kann es für einen Autor sehr deprimierend sein, wenn das eigene Buch nur 3 oder weniger Sterne hat. Wenn dir also ein Buch gefällt, zeige es und hilf, damit eine schlechte Bewertung nicht so schlimm ist.

Motivation für den Autor

Vor allem, wenn ich einen schlechten Tag oder ein kreaTief habe hilft es oftmals zu sehen, dass es geschätzt wird, was ich tue, dass ich damit Menschen aufmuntern kann und dass es wirklich Menschen gibt, die mein Buch Freude gespendet hat. Mir selbst gibt es immer einen ungeheuren Motivationsschub, wenn ich eine positive Rückmeldung bekomme oder eine gute Rezension zu meinem Buch sehe. Und je mehr Motivation ein Autor hat, desto schneller wird das nächste Buch fertig 😉

Ich hoffe, ich konnte dich dazu motivieren in Zukunft mehr Rezensionen zu schreiben – oder falls du das bereits tust, weiterhin welche zu schreiben. Es ist ein große Hilfe für jeden Autor 🙂

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Gastbeitrag: Lesen nein, schreiben… vielleicht doch? Die Crux mit dem Genre

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein tüchtiges Schreiberlein auch ein begeisterter Bücherwurm sein muss. Das sagen schließlich alle, die als Schriftsteller*innen Erfolg haben – in einer Einmütigkeit, dass man schon gar nicht mehr weiß, wer diesen Vater aller Schreibtipps eigentlich erfunden hat. Vielleicht musste ihn auch niemand erfinden, und er ist eben das: eine allgemein anerkannte Wahrheit.
Selbst J.K. Rowling, die sich bei Schreibtipps sehr vorsichtig bis skeptisch gibt, lässt sich zu einem ziemlich plakativen Satz hinreißen: „You can’t be a good writer without being a devoted reader.“
Und ich will auch gar nicht bestreiten, dass Lesen für ziemlich viele Dinge, die ein Schreiberlein haben oder irgendwann entwickeln sollte, ziemlich nützlich ist: Von grundlegenden Kenntnissen in Satzbau und Grammatik bis zu dem sich langsam aufbauenden Gespür für den Effekt einzelner Wörter und den Fluss der Sätze, für Eleganz, Aufrichtigkeit in der Darstellung und den Schock am rechten Platz. Um das zu lernen, ist es eigentlich ziemlich egal, was man liest, solange man aufmerksam und mit allen Sinnen liest.
Aber wie sieht es mit dem Faktor Genre aus? Lernt man beim Lesen auch, wie man ein Genre schreibt? Muss man nicht sogar im eigenen Genre belesen sein?
Für viele stellt sich die Frage gar nicht, und auch für mich hat sie sich lange nicht gestellt.
Einmal, weil ich noch gar nicht mal so alt bin, und als Jugendliche sehr unbedarft gelesen habe. Ich wusste zwar irgendwie, dass die meisten Sachen, die mich interessieren, in dem Regal in der Buchhandlung stehen, das den ominösen Titel „Fantasy“ trägt. Aber die ganzen feinen Unterscheidungen in High, Low, Contemporary, Urban und was-weiß-ich-nicht-für eine Fantasy und Romantasy – für die bin ich erst sensibilisiert worden, als Lesen mehr als nur eine Selbstverständlichkeit wurde, als ich entdeckt habe, dass es da eine eifrig diskutierende Community gibt, die natürlich Kategorien braucht, um über die Dinge überhaupt erst diskutieren zu können. Im Nachhinein kann ich also sagen: Was ich so lese, ist vor allem High Fantasy und Urban Fantasy (und wildes anderes Zeug, nach dem ich nicht suche, worauf ich aber mit der Nase hinstoße).
Aber schon bevor ich ein Verständnis von Genre hatte, hat Genre natürlich immer mein Schreiben geprägt, auch wenn es mir nicht in dem Ausmaß bewusst war, wie heute. Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas geschrieben zu haben, in dem nicht das Übernatürliche irgendeine Rolle gespielt hat. Drachen, Elfen und Zwerge bevölkern schon immer meine Welten mit phantastischen, immer auf –a endenden Städtenamen, wie sie die Bücher bevölkern, die ich gelesen habe. Natürlich sind meine Geschichten gewissen grundlegenden Plots, wie der Queste und der Heldenreise oder der Heldenwanderung, so natürlich gefolgt, als gäbe es keine anderen Arten, Geschichten zu erzählen. (Und eigentlich überhaupt keine anderen Geschichten. Und wenn, dann sind die nichts für mich.) Fantasy, also Urban und High Fantasy, ist meine schriftstellerische Komfortzone, das, was ich liebe und wo ich das Gefühl habe: „Hier kenne ich mich aus.“
Aber Moment. Was bedeutet das eigentlich: „Ich kenne mich aus“?
Ich glaube, es bedeutet Positives und Negatives.
Was das bedeutet, merke ich gerade an zwei neuen Projekten, die die Frechheit besessen haben, meine klassischen Vorlieben zu sprengen. Das eine, das gerade auf der Tagesordnung steht, ist eine eher für Jugendliche gedachte Geschichte, die während der georgianischen Zeit in England spielt, und, surprise, surprise, magische Elemente enthält. Das Gehirnareal für Genre-Einteilung, das ich jetzt nur noch schwer stoppen kann, ordnet ein: Historische Fantasy. Im Schreibnacht-Forum um Rat fragend, hat sich ergeben: Steampunk klappt als Label wohl auch ganz gut.

Problem: Ich habe genau 0 Werke historische Fantasy gelesen. Und genau ein Steampunk-Werk (His Dark Materials).
Ich kenne mich also nicht aus. Keine Ahnung, was so typischerweise die Ästhetik von historischer Fantasy und von Steampunk aussieht. Keine Ahnung, welche Arten von Magie da vorstellbar sind. Keine Ahnung, ob und wenn ja: was für magische Wesen solche historischen Dampf- und Zahnradwelten bevölkern.
Ist doch gut, oder? Ich bin quasi unbelastet von der Klischee-Kiste, die jedes Genre mit sich schleppt. Einerseits ja. Andererseits ist mein drängendstes Problem tatsächlich genau das: Ich habe keine Ahnung, ob es nicht schon Werke gibt, die viel zu ähnlich zu meinem sind. (Erste Ideen zu einem Thema sind ja oft ziemlich naheliegende und banale Ideen.) Vielleicht fühlt sich mein Projekt nur für mich so frisch und unverbraucht an, weil ich quasi das erste historische Fantasy-Werk, das ich lese, selbst schreibe. Meine Landkarte auf diesem Gebiet ist leer, ich kann also nur überrascht werden – wo andere vielleicht schon längst gelangweilt gähnen.
Das ist aber eben auch das Aufregende, dass ich keine Standardlösungen kenne (außer die, die es in „meinen“ Genres gibt). Das heißt zunächst einfach nur, ich kenne keine Standardlösungen, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht verwende ich dann keine. Vielleicht verwende ich aber auch die allerabgedroschensten und merke es nicht einmal, einfach, weil sie naheliegend sind.

Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man eine von Berty Bott’s Bohnen jeglicher Geschmacksrichtung essen. Bei meinem aktuellen Projekt kann jetzt, gefühlt, wirklich alles herauskommen: entweder abgedroschener Kitsch oder etwas ganz Neues, oder, wahrscheinlicher, eine wilde Mischung von beidem. (Wovor ich ehrlich gesagt am meisten Angst habe, ist, dass es eine billige Übertragung aus „meinen“ Genres in ein neues Setting wird.)
In jedem Fall lässt einen das Schreiben in einem Genre, das man selbst nicht liest, ein paar Filter im Gehirn – einfach weglassen. Das finde ich gerade enorm aufregend. Und deshalb lasse ich mir gerade einfach mal den Spaß, Bohnen zu futtern, von deren Geschmack ich keine Ahnung habe. Mal sehen, was dabei herauskommt. Vielleicht einfach die gute, alte Vanille – vielleicht aber zur Abwechslung auch mal Seegurke.
Dass es in jedem Fall trotzdem eine feine, eigene Note von mir selbst tragen wird, darauf vertraue ich einfach.

Und wie steht’s bei euch? Würdet ihr es wagen, ein Genre zu schreiben, das ihr nicht lest? Habt ihr es schon einmal gewagt? Welchen Geschmack hatte eure Bohne?

Über die Autorin: Lea Sager wurde 1993 in Regensburg geboren und arbeitet dort als Kirchenhistorikerin. Die teils skurrilen Persönlichkeiten und Philosophien der Spätantike sind dabei immer wieder Zündfunken für Figuren und Geschichten, in denen man dem Übernatürlichen begegnet. Neben ersten eigenen Schreibversuchen ist hier auch ein Blog über phantastische Literatur im Aufbau.

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Willst du mich heiraten? oder: Das Motiv der Verlobung in Liebesromanen

Es ist vermutlich kein Geheimnis, dass ich sehr gerne lese. Wenn ich gerade in der Uni sehr viel zu tun habe und mitten in einem Schreibprojekt stecke, greife ich am liebsten auf Liebesromane zurück, weil sie keine komplexen neuen Welten erschaffen, meistens nicht um Leben und Tod gehen und ich in den meisten Fällen nicht aktiv mitdenken muss. Liebesromane werden oft als leichte Kost dargestellt und viele sind es auch. Sie eignen sich super zum Zwischendurchlesen und einfach abschalten, ohne sich großartig eindenken zu müssen. Das ist keines Falls abwertend gemeint, es ist lediglich eine Feststellung und auch wenn es nicht um Leben und Tod geht, sind Liebesromane meistens die Bücher, bei denen ich am emotinalsten bin.
Als Autor für Liebesromane, die in unserer Welt spielen, fallen einige Schwierigkeiten weg, denen sich Fantasyautoren gegenübergestellt sehen. Da ich auch schon den ein oder anderen Liebesroman geschrieben habe und mich ausprobieren konnte, achte ich beim Lesen automatisch mehr darauf. Zum Beispiel fällt das World Building fast komplett weg und auch muss man sich keine Gedanken um das Erstellen einer neuen Gesellschaftsform oder ähnliches machen. Aber genau das ist gleichzeitig eine Erleichterung sowie Erschwernis. Statt dem Vorstellen einer neuen Welt und einer anderen Gesellschaft ist dem Leser vieles schon bekannt und es dreht sich sehr detailliert um die Geschichte und die Personen an sich. Die zwischenmenschlichen Probleme stehen mehr im Fokus, als in anderen Büchern, und es kann passieren, dass sich Figuren über Kapitel nur streiten oder missverstehen. Der Fokus liegt nicht darauf, die Welt zu retten, sondern dass ein Pärchen zusammen kommt oder bleibt. Der Konflikt innerhalb des Buches blickt also auf die Beziehung und auch hier gilt es diesen Konflikt am Ende des Buches aufzulösen.
Vor allem in den letzten Monaten ist mir aufgefallen, dass Autoren diesen Konflikt sehr gerne mit einer Verlobungen (oder Hochzeiten) auflösen. Vor allem in Weihnachtsgeschichten ist dieses Motiv sehr beliebt, doch auch in vielen New Adult-Büchern ist das Pärchen am Ende verlobt oder steuert auf die Hochzeit hin. Entweder wird dieses Motiv immer beliebter oder ich lese aus Zufall immer mehr Bücher, die darauf hinauslaufen.
Dabei sind mir jedoch 2 Dinge aufgefallen, die in erstreckend vielen Büchern zu finden waren, doch mich als Lesern eher gestört haben:

Verlobung als Lösung für alles

Heiraten oder sich verloben ist eine wunderschöne Sache und sich gegenseitig zu versprechen für immer zusammen bleiben zu wollen, ist nicht nur in Büchern total romantisch, doch nicht immer kann das die Auflösung des Konflikts sein. Wenn der Streit oder das Missverständnis eigentlich nicht dadurch gelöst ist, dass die zwei verlobt sind, passt es nicht.
Ich habe vor einer Weile ein Buch gelesen, das ziemlich gut war. Die Geschichte hat mich gepackt und mitfühlen lassen, die Charaktere waren sehr gut designt und hatten eine interessante Backstory, doch die Lösung des Konflikts war die Verlobung. 500 Seiten lang wurden Bindungsängste, Beziehungsunfähigkeiten und Kommunikationsmangel thematisiert und plötzlich sollten alle Probleme durch eine Verlobung verschwunden sein. Das Pärchen hatte sich zu diesem Zeitpunkt mehrfach voneinander getrennt (das eine Mal sogar, weil er ihr einen Antrag machen und sie sich nicht binden wollte) und permanent aneinander vorbeigeredet.
An so einem Punkt ist die Verlobung nicht die Lösung. Es ist ein Schritt, der weiter in eine gute Richtung geht, doch die Misskommunikation, Beziehungsunfähigkeit und die Bindungsängste verschwinden nicht einfach, nur weil man einen Ring am Finger trägt.
Sinnvoller wäre die unromantischere Lösung einer Paartherapie oder auch nur dem gegenseitigen Eingestehen, dass beide Probleme haben und das Bereit-Sein (zusammen) daran zu arbeiten. Die Verlobung war zwar romantisch – ohne Frage – und es war ein nettes Ende, doch die Probleme und die Streitpunkte wurden am Ende nicht aufgelöst, sondern waren nach wie vor immer noch vorhanden und theoretisch noch vertiefter, weil nur 100 Seiten zuvor die Hauptperson sagte, dass sie niemals heiraten wolle.

Verlobungen als Auflösung des Konflikts innerhalb eines Romans funktioniert. Jedoch nur, wenn die Verlobung wirklich die Probleme aus dem Weg räumt. Beispielsweise ein Romeo und Julia Szenario, in der die beiden sich entscheiden am Ende mit ihrer Familie zu brechen und durchzubrennen (nur dass es in der Geschichte klappt und nicht am Ende beide tot sind). Durch das Durchbrennen fällt der Konflikt (die Familie, die gegen die Beziehung ist) weg und bietet die Möglichkeit der gemeinsamen Zukunft. Doch auch hierbei ist die Verlobung bzw. die Hochzeit nicht das Element der Auflösung des Konflikts, sondern das zusammen Weglaufen.

Die falsche Umsetzung der Verlobung

Auch hier möchte ich wieder ein Beispiel heranziehen. Es geht um ein Pärchen, das viele Jahre gegen die äußeren Schwierigkeiten kämpft, die ihre Beziehung mit sich bringt (sie haben einen großen Altersunterschied, die Eltern akzeptieren die Beziehung nicht und es gibt immer wieder Menschen und Dinge, die sich zwischen sie drängen wollen). Im zweiten oder dritten Teil – ich bin mir nicht mehr sicher, ich habe alle vier Bücher innerhalb weniger Wochen gelesen – verlobt sich das Pärchen endlich. Als Leser habe ich sehr lange darauf gewartet und dramaturgisch ergab es Sinn. Es ist nicht die Lösung des Konflikts, sondern der nächste Schritt in ihrer Beziehung, den sie beide gehen wollten. Doch etwas anderes hat mich extrem gestört. Dieses Pärchen, das seit Anfang an am Existenzminimum lebte und es kaum schaffte, die Miete zu bezahlen, ging in einem Luxusrestaurant essen und der Ring war sicherlich mehrere Monatsgehälter wert.
Als ich das gelesen habe, fand ich es süß, dass er lange gespart hat, um ihr diese Verlobung bieten zu können und mir ist klar, dass vermutlich fast jede Frau eine romantische Verlobung will, aber wichtig ist trotz allem, dass die Verlobung zu der Beziehung passt. Ein Pärchen, das kaum Geld hat, kann auch eine romanische Verlobung in den eigenen vier Wänden haben mit Wein, romantischer Musik, einem leckeren selbst gekochten Essen usw. Man muss die Verlobung nicht in einem Luxusrestaurant spielen lassen, damit es romantisch wird. Als Autor von Liebesromanen sollte man in der Lage sein, romantische Situationen ohne größere Schwierigkeiten entstehen zu lassen. Während des gesamten Essens habe ich mich nur gefragt, woher er das Geld hatte und wann er sie endlich fragt. Es gab keinerlei Überraschung bei der Verlobung. Es muss natürlich nicht überraschend kommen, doch in vielen Fällen ist es eine sehr gute Gelegenheit für einen kleinen Plottwist.
Die Verlobung muss zum Pärchen passen. Wenn das Liebespaar Couchpotatos sind, dann erwartet kein Leser, dass sie sich bei einem Fallschirmsprung verloben. Mit diesen Gegensätzen kann ganz bewusst gespielt werden, aber wenn der Leser sich nur fragt, wo das Geld herkommt oder wieso es genau so passieren musste, ist es nicht gelungen.
Hat das Pärchen einen besonderen Ort oder einen Insider kann ganz bewusst damit gespielt werden. Ein Pärchen, das kein Kitsch mag, sollte auch keine kitschige Verlobung haben und ein Pärchen, das auf große Gesten setzt, wird sich nicht an einem langweiligen Samstagabend in einer Werbepause zwischen einem Film fragen, ob sie heiraten wollen.
Es ist wichtig zu wissen, was zu dem Liebespaar passt und welche Umsetzung sinnvoll ist und auch zu den äußeren Umständen passt.

Verlobungen können etwas überaus romantisches und herzergreifendes sein, wenn sie richtig eingesetzt werden. Dabei sollte man nur darauf achten, dass es zu dem Pärchen passt und nicht das Allheilmittel für den Plot ist.

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Mythos: Debütroman

Mein Debütroman ist seit mittlerweile etlichen Monaten veröffentlicht und die Arbeit an anderen Projekten voll im Gange. Trotzdem ist das Debüt ein kleiner Meilenstein, den vermutlich jeder Autor feiert oder sich zumindest gerne daran zurückerinnert.
Die Frage, seit wann ich Geschichten schreibe, ist wohl eine der Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Und die Antwort ist simple: schon immer. Mittlerweile umfasst dieses „schon immer“ bereits 14 Jahre, in denen ich mich mal mehr und mal weniger intensiv mit Schreiben beschäftigt habe.
Deswegen irritiert es mich manchmal, wenn ich gefragt werde, ob mein Debütroman „Die Mädchen von Feenis Alberon“ das erste Buch war, das ich geschrieben habe.
Die Antwort kurz und knapp: nein, es war nicht mein erstes Buch.

Ich habe diese Frage mal auf Twitter weitergeleitet und gefragt, ob der Debütroman das erste geschriebene Buch der Autoren war und auch wenn die Umfrage mit nur 68 Teilnehmern noch lange nicht repräsentativ ist, bildet sich eine leichte Tendenz ab.

40% der Beantworter gaben an, dass ihr Debütroman nicht ihr erstes Buch war, 26% sagte jedoch, dass es ihr erstes Buch war.
Die Tendenz ist sichtbar und auch wenn ich mit anderen Autoren rede, habe ich das Gefühl, dass die häufigste Antwort ein ‚Nein‘ ist.

Die nächste Frage, die sich mir dann ergibt, ist, wie viele Bücher sie vorher geschrieben habe, bevor sie ihr Debütroman veröffentlicht haben. Auch hier ist die Tendenz wieder erkennbar, jedoch nicht deutlich. Ca. 40% gaben an, dass sie 2 oder 3 Bücher bereits geschrieben haben, jeweils 27% sagten, dass sie entweder eins oder 7 (oder mehr) geschrieben haben.

Aber was heißt das jetzt? Schreiben für die Schublade?

In einem Schreibprojekt steckt viel Arbeit. Vor allem am Anfang, wenn man sich noch mit allem unsicher ist und das Schreibtempo auch noch verbessert werden kann. Bei meinem ersten längeren Schreibprojekt, das über die Planungsphase hinausging, habe ich noch fast eine Stunde für 500 Wörter gebraucht, wohingegen ich mittlerweile bei meistens 2.000 Wörter/Stunde bin.
Geschichten, die wir Autoren schreiben, faszinieren uns und wollen raus. Und trotzdem ist die Vorstellung für die Schublade zu schreiben, nicht wirklich schön. Immerhin steckt Herzblut, Arbeit und Unmengen an Zeit in der Umsetzung.

Doch auch wenn Schreiben ein Handwerk ist, das geübt werden muss, heißt das nicht, dass das erste Buch schlecht ist. 80% der Autoren, dessen erste Werke in der Schublade gelandet sind, sagten an, dass es sich so ergeben hat. Und auch ich reihe mich dort ein.
Bevor ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, hatte ich bereits zwei geschrieben. Das erste war nur für mich, um mir zu beweisen, dass ich schreiben kann und vor allem, dass ich auch ein Projekt beenden kann. Das zweite wollte ich veröffentlichen, befand es jedoch nicht für gut genug. Mittlerweile habe ich einen zweiten Entwurf zu jenem zweiten Projekt geschrieben. Ihr kennt es vielleicht als Projekt Nymphe 😉
In den meisten Fällen ist es kein aktives Schreiben für die Schublade, sondern es ergibt sich. Niemand hält einen davon ab, die Projekte später nochmals hervorzukramen, zu überarbeiten und dann doch zu veröffentlichen.

Wie kann man das umgehen?

Die Frage habe ich mir auch lange gestellt. Ich liebe schreiben, aber ich wollte nicht ein Projekt nach dem anderen der Schublade überlassen und schlussendlich in 5 Jahren immer noch unveröffentlicht sein.
Das Handwerkliche: schreiben. Der beste Weg, sich im Schreiben zu verbessern, ist es immer wieder zu tun, bis man mit seinem Schreibstil zufrieden ist. Ich habe dafür lange Zeit Bücher gelesen und überlegt, was ich an den einzelnen Stilen mag und was nicht. Ich habe viel davon imitiert und übertragen, bis ich meine Schreibstimme gefunden hatte. Hilfreich können auch Kurzgeschichten sein, in denen man andere Stile ausprobiert, um zu sehen, was einem am besten gefällt.
Die Planung: Plottwists, Midpoint, usw. Das alles muss geplant werden (vorausgesetzt man ist ein Planer) oder zumindest sollte man als Autor ein Gefühl dafür haben. Mir sehr geholfen haben die (Online)Ratgeber vomschreibenleben.de und schriftsteller-werden.de.
Aber auch wenn per Definition ein Roman ein Buch ab 50.000 Wörtern ist, hält niemand einen davon ab, kürzere Texte zu schreiben (z.B. mit einem Umfang von 25.000 Wörtern). Mir hat es geholfen ein Gefühl für Szenen, Spannung, Personenkompositionen und dem Spannungsverlauf zu bekommen. Diese Texte sind dann relativ kurz und man sitzt bei der Überarbeitung nicht vor einem riesigen unüberwindbaren Papierstapel, der kein Ende zu haben scheint.

Nochmal in Kürze: viele Autoren veröffentlichen nicht ihr erstes geschriebenes Buch. Meistens ergibt sich das und kann daran liegen, dass Schreiben und Planen geübt werden müssen, um gut gelingen zu können. (Online)Ratgeber, Kurzgeschichten und Kurzromane können helfen die ersten Schritte zu machen, damit ein Manuskript nicht in der Schublade landen muss.

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Gastbeitrag: Schreiben! Aber wo anfangen?

Wer hatte auch schon mal dieses Gefühl? Man verliert sich in der wunderbaren Welt der Bücher, liest fantastische Geschichten und ist überwältigt von den Gefühlen, die sie in einem auslösen. Und dann keimt ein Gedanke auf: „Ich will auch ein Buch schreiben.“

Ihr hattet bestimmt schon mal die ein oder andere Idee, habt euch Notizen gemacht oder vielleicht sogar ein paar Seiten geschrieben. Aber dann schaut ihr auf die Bücher in euren Regalen mit 200-700 Seiten voller Wörter und verzweifelt an der Herkules-Aufgabe, die ich euch selbst auferlegt habt. Gerade dann müsst ihr aber immer dran denken: Jedes dieser Bücher fing an mit einer Idee und einer einzigen Seite.

Zunächst müsst ihr euch klar sein, was für eine Art Schreiberling ihr seid. Ein Planer, wie der Name schon sagt, plant (plottet) seine Geschichte von Anfang bis Ende durch und baut sich damit ein Gerüst, um das er nur noch herum bauen muss. Ein sogenannter Discovery Writer hat ein leeres Dokument vor sich und schreibt einfach drauf los. Eine Mischung aus beidem baut sich einige grobe Stützpfeiler aus Notizen und der Rest entsteht aus dem Nichts. Es gibt viele Schreibratgeber, aber sich blind an einen halten wird nichts nützen, wenn er nicht eurem Stil entspricht.

Dann gilt es, eine Routine aufzubauen. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Ich habe mal von einem Autor gelesen, der jeden Tag sechs Seiten geschrieben hat, komme was da wolle. Aber wie macht man das, wenn man das Schreiben, seinen Brotjob, Haushalt, Freunde und Familie unter einen Hut bringen will? Sechs Seiten sind für den Anfang eine ganze Menge, deswegen sollte man auch hier klein anfangen. Aus drei Tagen die Woche mit einer halben Seite wird schnell eine Seite pro Tag und so weiter. Ein festes und realistisches Wörterziel bis zu einem gewissen Zeitpunkt kann auch wahre Wunder wirken. Wichtig ist, dass man sich eine feste Zeit aussucht, in der man sich nur dem Schreiben widmet. Im besten Fall in einem stillen Raum ohne Ablenkungen. Schon bald habt ihr eine Routine und das Schreiben ist so alltäglich wie das Mittagessen.

All das kann einen jedoch nicht vor dem größten Feind eines jeden Schreibers schützen: Selbstzweifel. Kann das, was ich schreibe, überhaupt so gut sein, wie das, was andere machen? Diese Leute haben so viele Bücher veröffentlicht und ich bin nur irgendwer, oder?

Und wenn sich diese Gedanken weiter steigern nennt man das „Imposter Syndrom“. Zu glauben, man kann sich selbst nicht „AutorIn“ nennen, denn alle anderen sind die Echten und man selbst ist bloß ein Betrüger, ein Imposter. Aber das ist Schwachsinn. Wen ihr etwas schreibt, seid ihr AutorInnen. Sei es Poesie, Kurzgeschichten, oder ein Roman. Das Veröffentlichen ist bloß der nächste Schritt. Natürlich gibt es auch AutorInnen die nur für sich selbst schreiben und gar nichts veröffentlichen wollen.

Wichtig ist, dass man sich klar macht, dass das Geschriebene nicht sofort perfekt sein muss. Ihr könnt euch darauf einstellen, dass ihr noch viel verbessern, löschen und hinzufügen werdet, bevor ihr wirklich fertig seid. Euren sogenannten „First Draft“ aber zu Papier gebracht zu haben ist eine große Leistung und von da an ist es nicht mehr weit, bis zu einem fertigen Roman und eurer ersten Veröffentlichung. Schon das erste Wort auf einem leeren Manuskript ist ein großer Schritt in Richtung des unbeschreiblichen Gefühls, euer eigenes Buch in Händen zu halten.

Über den Autor: Eli Quinn, geboren am 04.06.1992, begeisterte sich schon früh für erzählte wie niedergeschriebene Geschichten und träumte davon, eines Tages selbst die Massen zu begeistern. Er verfasste bereits kleinere Texte in den Genres Phantastik und Science Fiction, die noch auf ihre Chance warten, veröffentlicht zu werden. Mit seiner Kurzgeschichte „Weltenkeller“ in der Anthologie „Maschinen“ herausgegeben von Martin Witzgall und Felix Woitkowski hatte er sein Autorendebüt.
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