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Gastbeitrag: Positives Schreiben – Gezielt die Stimmung manipulieren

Was ist positives Schreiben?

Positives Schreiben – das klingt nicht nach etwas, das für düstere Werke gedacht ist. So etwas brauchen wohl eher die Schöpfer*innen fluffiger Romanzen oder leichter Komödien.
Richtig?
Falsch.
Positives Schreiben meint nicht, den Inhalt positiv zu gestalten, sondern genau die Stimmung zu Papier zu bringen, die man erzielen möchte – indem man auf Verneinungen verzichtet.
Natürlich ist es unmöglich, völlig ohne Verneinungen auszukommen. Aber es ist möglich, sie gezielt zu reduzieren. Und, mit etwas Übung, sogar, sie gezielt einzusetzen, um das Lesegefühl zu manipulieren.

Woher kommt positives Schreiben?

Der Ansatz kommt eigentlich aus der Medizin. Speziell Menschen, die sich mit Angststörungen oder Panikattacken auseinandersetzen müssen, haben eventuell schon davon gehört. Der simple Hintergrund:
Unser Angstzentrum ist unfähig, Verneinungen zu verarbeiten.
Das grobe Konstrukt ist recht simpel: Jede Information unserer Umwelt, wird von unserem körpereigenen Angstzentrum, der Amygdala, geprüft. Alles, was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken, wird auf Bedrohungen untersucht. Dieser Vorgang sichert unser Überleben, denn so ist es möglich, ohne Verzögerung auf jede Bedrohung zu reagieren.
Damit das schnell genug vonstattengeht, fallen dabei allerdings einige Details unter den Tisch. Unter anderem Verneinungen. Worte wie „nicht“ oder „kein“ rutschen im Angstzentrum zwecks schnellerer Verarbeitung durchs Raster.
Das ist der Grund, warum man jemandem mit einer Panikattacke niemals sagen sollte, dass „nichts passiert“ oder die Situation „nicht gefährlich“ sei. Sagt ihm*ihr lieber es ist „alles in Ordnung“ oder er*sie ist „sicher“.
Dasselbe gilt für eure Leser*innen.

Ein Beispiel für positives Schreiben

Lasst uns einmal ausprobieren, wie sich diese Theorie in der Praxis auswirkt. Betrachten wir diese kurze Szene:
Shirin kniete sich neben Kim auf den Boden. „Es ist nichts passiert“, flüsterte sie. „Keine Sorge, wir sind nicht mehr in Gefahr.“

Und jetzt dieselbe Mini-Szene noch einmal ohne Verneinungen:
Shirin kniete sich neben Kim auf den Boden. „Es ist alles in Ordnung“, flüsterte sie. „Beruhige dich, wir sind sicher.“

Rein inhaltlich ist es zweimal dieselbe Situation. Aber wirkt sie auch gleich?

Mit einem so kurzen Ausschnitt ist der Effekt relativ gering, aber auch hier wird schon klar: Im ersten Fall spürt man beim Lesen eine gewisse Beklemmung, während man beim zweiten eher Erleichterung wahrnimmt. Das hängt mit der Verarbeitung im Angstzentrum zusammen.
In der ersten Fassung verarbeitet unser Unterbewusstsein aus Shirins Redebeitrag in erster Linie die Worte „passiert“, „Sorge“ und „Gefahr“. Diese Begriffe verbinden wir automatisch mit einer potenziellen Bedrohung. Unser Unterbewusstsein begibt sich in Alarmbereitschaft.
In der zweiten Fassung verarbeiten wir „in Ordnung“, „Beruhige dich“ und „sicher“. Diese Begriffe verbindet unser Unterbewusstsein mit Sicherheit und signalisiert dementsprechend Entspannung.

Einsatz von positivem Schreiben im Text

Was kann ich nun damit anfangen?
In erster Linie ist diese Erkenntnis sehr wertvoll, wenn es um das bewusste Erzielen einer bestimmten Wirkung geht. Es verdichtet die Atmosphäre, wenn man gezielt Verneinungen vermeidet und direkt Worte benutzt, welche die Stimmung stützen.
Wichtig hierzu: Die berühmt-berüchtigten Wortfelder, mit denen meine Grundschullehrerin uns regelmäßig bombardiert hat (schon damals zu meiner großen Freude). Als Hilfestellung kann man sich hier Wortfelder zur jeweiligen Stimmung erstellen und darin Adjektive, Substantive und Verben sammeln, die zur Atmosphäre beitragen.
Umgekehrt kann man natürlich auch gemein sein und den Leser gezielt manipulieren.
Wenn wir uns an die kleinen Beispiele erinnern: Die erste Variante mit Verneinungen ist keineswegs um jeden Preis zu vermeiden – im Gegenteil. In einer scheinbar entspannten Situation kann man als Autor*in das Alarmsystem der Leser*innen am Laufen halten. Man hält die Anspannung aufrecht, obwohl die Leser*innen glauben, die Situation habe sich entspannt. Schließlich steht da doch, dass nichts passiert ist, nicht wahr?

Fazit

Halten wir also fest: Unser Angstzentrum hat viel zu tun und arbeitet deshalb nur mit einem groben Raster. Dieses Raster können wir als Autor*innen für uns nutzen. Wichtig hierbei sind Verneinungen wie „nicht“ oder „kein“. Sie fallen durch das Raster und bleiben unverarbeitet.
Entsprechend der verarbeiteten Information reagiert das Unterbewusstsein – auch beim Lesen. Egal, was das Bewusstsein wahrnimmt, die Feinheiten der Stimmung kommen aus dem Unterbewusstsein.
Ich selbst achte seit einiger Zeit gezielt auf verneinungsfreie Formulierungen und ich kann zwei Dinge darüber sagen:
Erstens trägt es tatsächlich zur Stimmung der Geschichte bei. Man kann seine Leser*innen damit gezielt beeinflussen und eine unterschwellige Stimmung unter dem Offensichtlichen erschaffen.

Und zweitens: Es braucht irre viel Übung.
Verneinungen sind einfach und wir machen es uns, auch beim Schreiben, gerne leicht. Es ist eine Frage ständigen Trainings, „nicht“ und „kein“ nach und nach aus dem reflexartigen Vokabular zu streichen und bewusst einzusetzen.

Aber ich stelle auch fest: Selbst wenn es einige Zeit braucht, positives Schreiben lohnt sich. Ich habe das positive Formulieren ursprünglich für meinen Alltag gelernt und es hat mich sehr weit gebracht. Aber auch beim Schreiben macht es einen spürbaren Unterschied.
In diesem Sinne: Ran an die Tasten! Manipuliert die Stimmung!

Viel Spaß!

Über die Autorin: Judith Greis gehört zu jenen Autorinnen, die seit ihrer Kindheit schreiben. Was mit ersten kleinen Lesungen im Stuhlkreis der Grundschule begann, führte bald zu ersten Romanideen und schließlich zur Welt der Fanfiktions, der sie bis heute treu geblieben ist.
Privat lebt die gelernte Bauzeichnerin direkt am Wald. Trotz hitziger Diskussionen mit den benachbarten Bewohnern der Wildnis ist bis heute ungeklärt, ob bei den Besuchen bei ihrem Freund in der Schweiz die Eichhörnchen oder die Gartenschläfer die Herrschaft über den Lieblingsschreibplatz auf dem Balkon übernehmen.
Mehr zu der Autorin findet Ihr hier.

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NaNoWriMo Survival Guide

Der Endspurt auf den NaNo hat begonnen und seit Tagen schwanke ich zwischen Vorfreude und Verzweiflung. 50.000 Wörter innerhalb eines Monats zu schreiben, ist nicht wenig, selbst wenn man das schon mehrmals gemacht hat.
In den vergangenen Jahren haben sich bei mir ein paar Tipps angesammelt, wie man den NaNo und jedes andere Schreibprojekt überlebt.

Take your time

Jedes Jahr gibt es ein paar Autoren, die die 50k schon innerhalb der ersten 24h schreiben. Es gibt Autoren, die insgesamt auf 5k kommen und das als persönlichen Erfolg ansehen. Und es gibt viele dazwischen.
Es ist wichtig, sich die Zeit zu geben, die man braucht. Es ist nicht schlimm, wenn man langsamer schreibt als andere. Jeder braucht unterschiedlich lang. Je öfter man jedoch schreibt, desto schneller wird das Schreiben an sich.
In meinem ersten Jahr war ich froh, wenn ich 1.000 Wörter in einer Stunde geschafft habe. Letztes Jahr habe ich meistens 2.000 Wörter oder mehr geschafft. Vieles ist Übung und es ist wichtig, sich nicht von anderen verunsichern oder demotivieren zu lassen.

Writing Buddys

Writing Buddys sind Schreibfreunde, die gleichzeitig mit einem Schreiben. Mich motiviert und spornt es an zu sehen, dass jemand schon mehr geschrieben hat, als ich. Dann ist mein Ehrgeiz geweckt, die Person einzuholen.
Am besten sind Writing Buddys, die eine ähnliche Schnelligkeit wie man selbst hat. Dann wird der Unterschied nicht zu groß, dass es demotiviert, sondern bleibt klein, sodass man ihn vielleicht in der nächsten Stunde ein- oder überholen kann.
Außerdem kann man sich mit Writing Buddys übers Schreiben austauschen und seine Fragen klären. Es hilft oftmals schon zu wissen, dass man gerade nicht alleine ist und dass andere ähnliche Situationen durchmachen.

Kleine Schritte – einer nach dem anderen

Die Zahl 50.000 war für mich am Anfang ein riesiger Demotivator. Vor meinem ersten NaNo war mein Rekord 5.000 Wörter innerhalb eines Monats und bei einem anderen Projekt zählte ich fast 40.000 Wörtern nach über 2 Jahren.
Es hat geholfen, kleine Schritte zu machen. Jeden Tag 1.667 Wörter waren am Ende gar nicht so viel und es gab etliche Tage, an denen ich mehr geschrieben habe. Schafft man sich mehrere Schreib Sessions am Tag, sind es nur noch ein bisschen mehr als 400 Wörter pro Session.
Außerhalb des NaNos sind meine Schritte die Kapitel. Ein Kapitel schreiben ist gar nicht schwer und viel. Ich habe bemerkt, dass wenn ich mir kleine Ziele setze, ich motivierter bin und am Ende mehr schaffe, als wenn ich mir große Ziele setze.

Ablenkungen minimieren

Eine der größten Probleme beim Schreiben sind die Ablenkungen. Sobald ein kleines Problem in einer Szene auftritt, gewinnt die Ablenkung Überhand und ich kann nicht weiterschreiben. Mein erster NaNo lief unter anderen so gut, weil ich damals kein Wlan in meiner Wohnung hatte. Ablenkung Internet war also fast gar nicht vorhanden und weil ich gerade erst eingezogen war, war mein Schreibtisch noch komplett leer.
Mittlerweile habe ich Wlan und Ablenkung in großer Zahl um mich herum, aber man kann trotzdem ein paar minimieren.
Handy und Laptop auf Flugmodus, Schreibtisch und Zimmer vorher aufräumen und Termine nicht in den November legen, sind nur ein paar Dinge, die ich immer versuche zu machen. Jeder hat da seine eigenen Tipps und einen Ablenkungsgrad, bis wohin er arbeiten kann. Das heißt, es gibt keine Patentlösung, sondern man muss sich ein wenig ausprobieren.

Pausen

Pausen sind wichtig. Viele unterschätzen die Anstrengungen, mit denen Schreiben verbunden sind. Schreiben ist geistige Arbeit und kann sehr aufwühlend sein. Zwischen den Schreib Sessions sind Pausen daher wichtig. Ein bisschen frische Luft atmen, die Augen mal auf etwas anderes konzentrieren lassen als den Bildschirm und ein paar Dinge machen, die nicht geistig anstrengen sind. Dann kann man wieder motiviert und erfrischt weiter machen.
Es kann auch helfen, die Pausen vorher zu definieren. Ein „Ich mache nur kurz Pause“ kann sonst zu Stunden werden. Mit einer definierten Zeit und einem eingestellten Wecker kann das leichter fallen.

Schlafen

Der Punkt klingt simple, ist aber wichtig. In keinem Monat im Jahr schlafe ich so wenig wie im November. Da meine präferierte Schreibzeit nachts ist, kommt der Schlaf oft zu kurz. Ich muss mich manchmal regelrecht dazu zwingen, noch schlafen zu gehen. Ich liebe es, Nächte durchzuschreiben, aber auf Dauer ist das nicht gut. Aber ausgeschlafen sein ist für den Körper besser und tut auch dem Schreiben gut.

Vorbereitung – Writing Prompts

Für mich ist eine ausreichende und gute Vorbereitung wichtig. Das heißt nicht, dass ich jedes Detail schon vorher weiß, aber ich kenne meine Charaktere, die Welt und den Plot. Manche brauchen es weniger, manche mehr.
Egal, wie detailliert du es brauchst oder eben nicht, gibt es einen Tipp, der jedem helfen kann: Writing Prompts. Das sind kurze Sätze, in denen Handlungen oder Situationen beschrieben werden. Ich habe auf meinem Schreibtisch immer ein Glas mit ganz vielen Zetteln mit Writing Prompts stehen. Wenn ich in einer Szene nicht mehr weiter komme, ziehe ich einen und versuche die Vorgabe in die nächste Szene einzubauen. Manchmal passt es, dann lass ich es dabei, manchmal stört es den Szenenverlauf nur, dann fliegt es wieder raus. Wichtig ist nur, dass man über den Punkt hinausschreibt, der einen blockiert, um weitermachen zu können.
Bekannte Writing Prompts sind z.B:
Beginne die nächste Szene mit den Worten: „Wenn ich dich kriege, dann…“
Baue in die nächste Szene einen Schrei ein.
Das Handy deines Haupcharakters klingelt. Wer ist dran und was will er?

Belohnungen

Ich finde es oft hilfreich, wenn ich mir Etappenziele setze und wenn ich sie erreiche, belohne ich mich. Dabei fallen die Belohnungen ganz unterschiedlich aus. Manchmal ist es nur eine Tasse Tee/Kaffee, manchmal die neue Folge einer Serie oder das Buch, das ich schon seit einiger Zeit haben will. Mittlerweile weiß ich, was mich motiviert und welche Ziele ich mir setzen muss, um effizienter arbeiten zu können. Da hilft nur ausprobieren.

Der wichtigste Rat zum Schluss: Schreiben ist ein Marathon und kein Sprint

Es hilft nicht, es an einen Tag zu übertreiben und dann tagelang nicht mehr reinzukommen. Es ist sinnvoller, sich Zeit zu lassen, es zu genießen und lieber kleine stetige Erfolge zu haben, als auf einmal riesige.
Mache ich einen Schreibtag, an dem ich 10.000 Wörter oder mehr schreibe, dann bin ich meistens die nächsten Tage immer noch ziemlich fertig und schreibe nicht. Ich brauche dann wieder eine ganze Weile, um wieder in das Projekt reinzukommen. Wenn ich es aber schaffe, mir jeden Tag ein paar Stunden zu nehmen, arbeite ich gleichmäßiger und effektiver.

Das sind meine Überlebenstipps. Ich hoffe ich konnte euch ein wenig weiterhelfen 🙂

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Willkommen im Preptober!

Heute ist der 1. Oktober oder wie manche ihn nennen: Preptober. Der Oktober ist der offizielle Vorbereitungsmonat für alle, die beim NaNoWriMo mitmachen wollen. Der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) hat zum Ziel, dass am Ende November der erste Entwurf eines Romanes fertig ist. Viele Autoren überall auf der Welt versammeln sich vor ihren Computern und schreiben was das Zeug hält, um am Ende des Monats 50.000 Wörter oder sogar mehr zu ihrem WIP hinzufügen zu können. Seit 2017 bin ich begeisterte Teilnehmerin. Letztes Jahr ist in dieser Zeit mein Buch „Feenis Alberon“ entstanden und auch dieses Jahr bin ich wieder am Start und kann es kaum erwarten, dass das Schreiben endlich beginnt.

Ein Buch braucht Vorbereitung

Natürlich kann man ein Buch auch aus der Kalten heraus schreiben, aber es bietet sich immer an, wenigstens ein wenig vorzubereiten. Bei meinen ersten Büchern und Projekten war mir die Vorbereitung nicht wichtig und jetzt liegen die Manuskripte mit Lücken und Logikfehlern in meinem Schrank und werden vermutlich niemals von jemand anderen gelesen, was schade ist, weil unglaublich viel Zeit darin steckt.

Um das zu verhindern, hilft eine detaillierte Vorbereitung, um Plot Holes und Logiklücken zu verhindern und die ein oder andere Schreibblockade abzuschwächen. Es liegt jedoch bei jedem selbst, wie detailliert man planen will. Dabei gibt es kein richtig und falsch, sondern jeder muss für sich den besten Weg finden.

Die Welt

Eine Sache, die jeder Autor planen sollte, ist die Welt, in der die Geschichte spielt. Selbst, wenn es die uns Bekannte ist, sollte man ein wenig darüber nachdenken. Wichtig dabei sind die Fragen nach der inneren Logik. Auch ausgedachte und neu designte Welten müssen in sich schlüssig sein. Zum Beispiel sollte man davon absehen, die physikalischen Gesetze aufzuheben. Bei anderen Welten ist wichtig wenigstens eine grobe Ahnung von den Bewohnern zu haben (vor allem, wenn sie eine andere Spezies als Menschen sind), aber auch das Verhältnis einzelner Gruppen zueinander. Denk dabei kurz über Infrastruktur, besondere Ereignisse, politische, soziale und ethnische Strukturen, Religionen, die Geschichte der Welt, Magiesysteme und mögliche Wahrnehmungen nach.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass vieles sich im Laufe der Planung von alleine plant, aber es schadet nicht, den ein oder anderen Gedanken darüber zu verlieren, bevor man mit dem eigentlichen Plot anfängt.

Die Figuren

Das nächste, was ich mir nach der Welt vornehme, sind die Hauptfiguren, die im Verlauf der Geschichte wichtig werden. Es ist wichtig, dass die Figuren dreidimensional sind. Das bedeutet, dass sie nicht platt sind, sondern ein Eigenleben haben. Wenn man sich mit seinen Charakteren beschäftigt, passiert es außerdem nicht so schnell, dass sie sich out of character verhalten, was den Leser stören würde. Es gibt eine Liste von 100 Fragen an deinen Charakter, die dabei helfen kann entweder zu kontrollieren, dass dein Charakter nicht platt ist oder für dich, dass du deinen Charakter besser kennenlernen kannst. Du musst nicht alle Fragen beantworten können müssen, aber es kann helfen. Ich versuche meistens so 30-60 Fragen zu durchlaufen, um ein gutes Gespür für meine Hauptfiguren zu bekommen. Meistens merke ich dabei dann, wie viele und teils auch welche Nebenfiguren wichtig werden könnten.

Die Nebenfiguren brauchen meistens nicht so viel Planung, wie die Hauptfiguren, aber auch hier stören platte Charaktere. Bei Feenis Alberon habe ich mittlerweile eine Liste von über 100 Charakteren, die wichtig werden könnten. Nicht jede Figur ist bis ins letzte Detail geplant, jedoch habe ich zumindest bei jeder Ansatzpunkte, die ich aufgreifen kann, falls sie wichtig werden.

Charaktere, die du lieber lassen solltest:

  • Der beste Freund deiner Hauptperson, der die ganze Zeit nur da ist und alles abnickt. Er braucht auch ein wenig Eigenleben. Ein Charakter, der nur da ist, um zu helfen, ist in den meisten Fällen langweilig.
  • Mary Sue. Das sind perfekte Charaktere, die keinerlei Fehler besitzen. Der männliche Gegenpart heißt Gary Sue. Charaktere ohne Fehler und Makel sind langweilig.
  • Der allwissende Mentor. Ich bin ein großer Freund der Mentorenrolle, jedoch sollte es keine unerschöpfliche Quelle von Wissen sein. Deine Hauptfigur sollte schon für die Informationen kämpfen müssen.
  • Die gesichtslose Hauptfigur. Wenn man ein Buch zuschlägt und keine Ahnung mehr hat, wie die Hauptfigur aussieht oder sich verhält, ist sie einfach langweilig. Ein bisschen Eigenleben muss schon sein.
  • Der Ja-Sager. Egal ob Haupt- oder Nebencharakter, bitte führe keine Figur ein, die nur zu allem ja sagt. Wenn du sehr viele Charaktere hast, ist das in Ordnung, aber jemand, der nur hinter allen herdackelt, ist langweilig.
  • Die Klischee-Erfüller. Wenn deine Charaktere nur aus Klischees bestehen, kann das schnell langweilig werden. Der Bad-Boy, der eigentlich nur geliebt werden will. Das schüchterne Mädchen, das sich in den Draufgängertypen verliebt. Das alles gab es schon sehr oft. Ein wenig Klischee ist in Ordnung, zu viel ist zu viel, denn dann gibt es keine Überraschungen mehr.

Der Plot

Oft habe ich bereits eine Idee der Handlung, die passieren wird und mit den Figuren kommen die Konflikte, die die Geschichte spannend machen. Diese Konflikte sind wichtig, es braucht aber äußere und innere Konflikte. Konflikte, die

  • die Figuren mit sich selbst haben
  • die Figuren untereinander haben
  • von außen kommen (Gesellschaft, Religion, Gesetze, soziale Strukturen, …)

Damit einher gehen auch oft die Plot-Twists, die im Laufe der Geschichte auftauchen. An dieser Stelle entscheide ich mich meistens, welche Plotting Art ich verwenden möchte, falls ich es nicht von Anfang an weiß. Es gibt unzählig viele, aber hier sind die 3, die ich liebsten nutze (die Arten zu erklären, würde den Rahmen sprengen, deswegen verlinke ich euch entsprechende Blogbeiträge anderer Autoren):

Ich habe bemerkt, dass jedes Projekt nach einer anderen Plotting Art verlangt. Manchmal passt die eine, manchmal die andere. Das muss man einfach ausprobieren und gucken, was sich am besten anfühlt.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass nicht immer der Plot-Plan aufgehen muss. Ich habe schon manchmal beim Schreiben, meine Planung über Board geworfen und es tat der Geschichte sogar gut. Der Plot ist nicht in Stein gemeißelt und kann jederzeit angepasst werden, wenn es für die Geschichte gut ist.

Die Handlungsorte

Wenn der Rest steht, kann man beginnen, die einzelnen Orte zu planen. Das bedeutet, man schaut sich die einzelnen Orte der potenziellen Handlung genauer an. Es ist nicht wichtig von jedem Ort eine Karte zu haben, aber es kann helfen, wenn man Besonderheiten kennt und weiß, was es an diesen Ort gibt und was nicht. Dinge, die du aber wissen solltest sind zum Beispiel: wer wohnt dort und wer nicht, welche sozialen Strukturen sind vorhanden (z.B. Straßenbanden oder besonders strenge Polizei), wie reich/arm sind die Bewohner, …

Wenn du an dieser Stelle angekommen bist, sollte eigentlich fast alles klar sein und deine Planung müsste in den letzten Zügen sein. Fragen, die noch aufgekommen sind, solltest du jetzt klären. Das ist meistens der Punkt, an den ich mit meiner Recherche anfange. Was die Recherche beinhaltet, hängt stark von dem Projekt ab.

Aber bevor ich dann anfange zu schreiben, nehme ich mir eins, zwei Tage Ruhe. Zum einen um den Kopf nochmal freizubekommen und einen anderen Blickwinkel auf meine Planung zu bekommen und zum anderen, weil eine sehr stressige und anstrengende Zeit kommen wird. Ich arbeite meine To-Do-Liste ab, besorge Nervennahrung, räume auf und versuche alle Ablenkungen zu beseitigen. Oft plane ich meine Wochen, räume mir Schreibzeiten ein, die dann nur noch im Notfall verschoben werden, suche mir Schreibplaylisten raus, erstelle ein Moodboard zu meinem Projekt und versuche mich gedanklich in die Welt und die Figuren zu finden.

Und dann heißt es: Ran an die Tastatur, es ist Schreib-Zeit!

Weitere Blogartikel zum Preptober von anderen Autoren: Annika Bühnemann, Antje Bremer

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Schreibtipp-Häppchen

Im Aktiv schreiben

Um eine Information aus einem Satz zu ziehen, der im Passiv geschrieben wurde, braucht das Gehirn länger, als bei einem Satz im Aktiv. Das verlangsamt das Lesen und stört oft den Lesefluss. Schreib also lieber „Die Tür öffnet sich“ statt „Die Tür wurde geöffnet“. Das führt außerdem dazu, dass der Leser sich das Öffnen der Tür bildlicher vorstellen kann.

Einprägsame Namen

Wenn du als Autor dich schon nicht an die Namen erinnern kannst, wieso sollte es dann ein Leser tun? Mische außerdem lange und kurze, normale und außergewöhnliche. Die Mischung und die Unterschiede machen die Geschichte interessanter. Versuche auch immer wieder andere Anfangsbuchstaben zu nutzen. Nicht, dass am Ende Anna, Amalie, Alex und Adrian zusammen Kaffee trinken gehen. Das funktioniert zwar in manchen Fällen, wird den Leser aber vermutlich eher verwirren.

Keine komplizierten Sätze

Das wird vor allem bei der Überarbeitung wichtig. Wenn du deine Geschichte nochmal liest und Sätze mehrfach lesen musst, um sie zu verstehen, solltest du sie rauswerfen oder umschreiben. Komplizierte Sätze verlangsamen den Lesefluss und nehmen auf Dauer die Lust am Weiterlesen. Versuch mit kurzen prägnanten Sätzen alles zu sagen, was du sagen willst. Vor allem, wenn viel passiert, sollten die Sätze kurzgehalten sein. Verliert sich jedoch der Protagonist in seinen Gedanken können die Sätze auch länger werden, solang sie immer noch leicht und beim ersten Mal lesen verständlich sind.

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