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Was ich in meinem Studium über mein Schreiben gelernt habe

Es ist geschafft. Meine Bachelorarbeit ist geschrieben. Mit 13 Hausarbeiten, 4 Essays und meiner 30-seitigen Bachelorarbeit habe ich in den letzten 7 Semestern über 200 Seiten wissenschaftliche Arbeiten verfasst. Das wissenschaftliche Schreiben unterscheidet sich in wesentlichen Punkten zu dem kreativen Schreiben, mit dem ich meine Bücher schreibe, doch ein paar Dinge habe ich trotzdem lernen können.
Vermutlich ist keiner der Punkte überraschend, doch ich wollte sie trotzdem mit euch teilen.

Prokrastination muss sein. Das klingt jetzt vielleicht wie jemand, der gerne prokrastiniert und sich rechtfertigen will, wenn er es tut. Aber zumindest bei mir gehört eben diese Prokrastination zu meinem Schreibprozess dazu – wohl wissenschaftlich als auch kreativ. Am Anfang des Schreibens plane ich. Dieser Prozess unterscheidet sich natürlich zwischen meinen zwei Schreibarten, doch eins ist gleich: Ich brauche Tage oder Wochen, in denen mein Unterbewusstsein alle Informationen aufsaugen und verarbeiten kann. In der Zeit bekomme ich nichts aufs Papier, egal wie sehr ich es versuche, doch dafür geht es in den Tagen und Wochen danach umso besser.

Fortschritt kann man nicht messen. Ich bin so ein Mensch, der es liebt Word Counts oder geschriebene Seiten zu zählen und mit anderen zu vergleichen. Zumindest bei der ersten Rohfassung eines Buches kann man einen Fortschritt noch ganz gut sehen, doch ab dann wird es schwammig. Manchmal ist ein Eureka-Moment mehr wert, als Seiten voller non-sense geschrieben zu haben. Und genau deswegen ist es schwer, seinen Fortschritt zu messen. Es gibt Tage, an denen ich nur wichtige Kommentare einarbeite. Ich sitze Stunden an meinem Dokument und am Ende ist es vielleicht eine viertel Seite gewachsen. Deswegen kann es sinnvoller sein, sich über die Zeit, die man konzentriert gearbeitet hat, zu freuen anstatt es an Wortzahlen oder Seiten festzumachen.

Pläne umwerfen ist wichtig. Ich liebe meine Pläne. Bevor ich schreibe, habe ich einen Plan, was ich schreiben will und wie es am Ende aussehen soll. Doch hin und wieder profitiert die Arbeit davon, dass man genau diesen Plan umwirft. Am Anfang meiner Bachelorarbeit habe ich mir eine Gliederung gemacht, doch schnell gemerkt, dass sie keinen Sinn ergibt. Doch statt sie umzuwerfen, habe ich tagelang daran festgehalten und versucht meine Arbeit doch in diese Form zu zwängen. Erfolglos. Einige Tage hat mich das blockiert und ich konnte nicht weitermachen. Dann habe ich die Gliederung umgeworfen und neu gemacht und plötzlich lief es wie von alleine. Wenn etwas nichts wird, hat das nicht immer was mit den Fähigkeiten zu tun.

Selbstzweifel sind in Ordnung. Ja, auch ich habe Selbstzweifel. Wenn ich ehrlich bin, sogar sehr viele und permanent. Doch Selbstzweifel sagen nichts über die Qualität einer Arbeit aus. Sie können einen darauf hinweisen, dass das, was man fabriziert hat, Schwächen hat, doch statt sich deswegen schlecht zu fühlen, ist es wichtig, herauszufinden, woher diese Selbstzweifel rühren. Dann kann man sie sich zu Nutzen machen.

Das letzte und wichtigste: Ich liebe, was ich tue. Zwischen dem Deadline-Stress und den Selbstzweifeln geht es manchmal verloren. Doch ich liebe es, zu schreiben. Egal ob wissenschaftliche Abhandlungen oder kreative Texte. Es macht mir Spaß, einen Text entstehen zu sehen. Zu sehen, wie von einer kleinen Idee es zu einem großen Haufen an Buchstaben anwächst und sich plötzlich verselbstständigt. Es ist ein tolles Gefühl, zu sehen, was man geschafft hat. Das ist nur eine der Gründe, warum ich das Schreiben liebe 🙂